Sämtliche Essays
<- Zurück
Hartmut Lohmann schreibt nicht, um zu gefallen. Er schreibt, weil ihn das Geräusch der Zeit stört. Seine Essays entstehen nicht aus Harmonie, sondern aus Widerstand gegen den Gleichschritt, gegen das bequeme Nicken, gegen die sedierende Freundlichkeit. Wer ihn liest, merkt schnell: Hier spricht keiner, der um Applaus wirbt. Lohmann schreibt mit dem Skalpell.
Er sieht die Menschheit nicht als Prozession der Aufgeklärten, sondern als tanzende Menge, die einer Melodie folgt, deren Ursprung sie nicht prüft. Das ist kein kulturpessimistisches Ornament, sondern ein Bild für jene süße Selbsttäuschung, die Fortschritt ruft und Abgrund meint. Seine Bilder sind grell, seine Skizzen grob, er übertreibt, um sichtbar zu machen, was sonst im Zwielicht des Alltags verschwindet.
Seine Essays sind mal Parfüm, mal Desinfektionsmittel. Sie wagen das Sinnliche auch dort, wo andere die Nase rümpfen, als »dunkler Weihrauch des geistigen Unrats, als faulig-süßes Odeur der mentalen Verwesung«. Der noch blutjunge Autor schürft das Glänzende aus dem Dreck, er findet das Geheimnisvolle im Abfall, aber auch das Metaphysische im Bösen. »Die Wahrheit ist mein Gott.«
Lohmanns Essays streifen Politik, Moral, klassische Bildung, moderne Machtverhältnisse. »Gleichberechtigung darf nicht bedeuten, dass die Blinden den Sehenden die Augen ausstechen.« Er zwingt zum Widerspruch und genau darin liegt seine Methode. Wer empört reagiert, denkt zumindest selbst.
Ein literarisches Chamäleon.
198 Seiten
Illustrierte Sonderausgabe
Hardcover

